Deutsch C2 · Lektion 6 · Einheit 6.2
Ein berühmtes Gedicht
Johann Wolfgang von Goethe: Ein Gleiches · ca. 5 Min.
Goethe, Ein Gleiches (Wandrers Nachtlied), entstanden 1780
Über allen Gipfeln / Ist Ruh, / In allen Wipfeln / Spürest du / Kaum einen Hauch; / Die Vögelein schweigen im Walde. / Warte nur, balde / Ruhest du auch.
Das Gedicht (die Schrägstriche markieren die Versgrenzen) wirkt wie eine schlichte Naturbeschreibung. Doch es bewegt sich von den Bergen über die Bäume und die Vögel bis zum Menschen. Die Ruhe, die am Ende auch dem Du versprochen wird, lässt sich als Abendruhe, aber auch als Todesahnung lesen. Formen wie spürest, Vögelein und balde sind heute veraltet und verleihen dem Text einen feierlichen Klang.
| veraltet für: spürst | spürest |
| verkleinernd, poetisch für: Vögel | die Vögelein |
| veraltet für: bald | balde |
| verkürzt für: Ruhe | die Ruh |