Deutsch C1 · Lektion 1 · Einheit 1.6
Wie lernen wir Sprachen?
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Theorien des Spracherwerbs
Wie es Kindern gelingt, ihre Erstsprache in wenigen Jahren nahezu fehlerfrei zu erwerben, gehört zu den meistdiskutierten Fragen der Linguistik. Die Antworten, die die Forschung im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts gegeben hat, unterscheiden sich grundlegend.
Der Behaviorismus, prominent vertreten durch den Psychologen Burrhus F. Skinner, betrachtete Sprache als erlerntes Verhalten: Kinder ahmen nach, was sie hören, und werden für gelungene Äußerungen bestätigt. Gegen diese Sicht wandte Noam Chomsky ein, dass Kinder Sätze bilden, die sie nie zuvor gehört haben, und typische Fehler wie ich bin gegeht machen, die sich gerade nicht durch Nachahmung erklären lassen.
Chomsky ging deshalb von einer angeborenen Sprachfähigkeit aus, einer Art universeller Grammatik, die den Erwerb jeder menschlichen Sprache ermöglicht. Interaktionistische Ansätze wiederum betonen, dass diese Fähigkeit allein nicht genügt: Entscheidend sei der ständige Austausch mit Bezugspersonen, die ihre Sprache intuitiv an das Kind anpassen.
Für das Lernen einer Zweitsprache im Erwachsenenalter wurde vor allem die Input-Hypothese des Linguisten Stephen Krashen einflussreich. Ihm zufolge erwerben Lernende eine Sprache in erster Linie durch verständlichen Input, also durch Texte und Gespräche, die knapp über ihrem aktuellen Niveau liegen. Bewusst gelernte Grammatikregeln dienen nach dieser Auffassung eher dazu, das eigene Sprechen zu kontrollieren.
Umstritten bleibt die Frage nach einer kritischen Periode, nach deren Ende ein muttersprachliches Niveau kaum noch erreichbar sei. Während Befunde zur Aussprache diese Annahme stützen, kommen Erwachsene in Wortschatz und Grammatik zu Beginn oft schneller voran als Kinder, vorausgesetzt, sie erhalten genügend Input und Gelegenheit zur Anwendung.
Übung 6: Leseverstehen
Beantworten Sie die Fragen zum Text.
- Wie erklärt der Behaviorismus den Spracherwerb?
- Welches Gegenargument bringt Chomsky vor?
- Was betonen interaktionistische Ansätze?
- Was versteht Krashen unter verständlichem Input?
- In welchem Bereich stützen Befunde die These einer kritischen Periode?
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- Als erlerntes Verhalten: Kinder ahmen nach und werden für gelungene Äußerungen bestätigt.
- Kinder bilden neue, nie gehörte Sätze und machen Fehler wie ich bin gegeht, die man nicht durch Nachahmung erklären kann.
- Den ständigen Austausch mit Bezugspersonen, die ihre Sprache an das Kind anpassen.
- Texte und Gespräche, die knapp über dem aktuellen Niveau der Lernenden liegen.
- Bei der Aussprache.
Übung 7: Wortschatz aus dem Text
Welcher Ausdruck aus dem Text hat dieselbe Bedeutung?
- grundsätzlich, fundamental
- bekannt und wichtig als Vertreter
- dagegen argumentieren
- nicht ausreichen
- unter der Bedingung, dass
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- grundlegend
- prominent vertreten
- einwenden (wandte ein)
- nicht genügen
- vorausgesetzt