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Deutsch C1 · Lektion 6 · Einheit 6.6

Ein literarischer Text

Lesen · ca. 10 Min.

Ankunft (eigener Text)

Der Zug hielt um kurz nach sechs. Grau war der Himmel, grau der Bahnsteig, und grau, so schien es ihr, waren auch die Gesichter der Menschen, die an ihr vorbeieilten.

Zwanzig Jahre zuvor hatte sie diesen Bahnhof verlassen, mit einem Koffer und einem Versprechen. Das Versprechen hatte sie gehalten. Den Koffer nicht: Irgendwo zwischen Lissabon und Montreal war er verloren gegangen, und mit ihm, dachte sie manchmal, ein Teil von ihr.

Nun stand sie wieder hier. Fremd fühlte sie sich, fremder als damals in der Fremde. Da hört sie hinter sich ihren Namen. Sie dreht sich um. Und für einen Augenblick ist alles, was dazwischen lag, nicht mehr da.

Übung 5: Textanalyse

Beantworten Sie die Fragen zum Text.

  1. In welchem Tempus beginnt der Text, und wo wechselt er?
  2. Welche Funktion hat dieser Wechsel?
  3. Wo steht eine Rückblende, und wie ist sie markiert?
  4. Welches Stilmittel liegt in „Grau war der Himmel, grau der Bahnsteig, und grau … die Gesichter“ vor?
  5. Was bedeutet das Paradox „fremder als damals in der Fremde“?
Lösungen anzeigen
  1. Er beginnt im Präteritum und wechselt am Ende ins historische Präsens (Da hört sie …).
  2. Er macht den Moment der Begegnung unmittelbar und spannend.
  3. Zwanzig Jahre zuvor hatte sie …; sie steht im Plusquamperfekt.
  4. Inversion und Anapher (Wiederholung von grau am Satzanfang), dazu eine Ellipse.
  5. Die Heimat ist ihr fremder geworden als das Ausland, in dem sie gelebt hat.